Der Anlaufpunkt

Was machen wir beim Anlaufpunkt?

Auf unseren Treffen wollen wir uns darüber austauschen, welche Konflikte mit Behörden, Chef_innen, Vermieter_innen… gerade anstehen. Mit der Erfahrung aller Anwesenden versuchen wir einen Weg herauszufinden und Probleme zu lösen. Wie wir uns dabei gegenseitig unterstützen, kann ganz unterschiedlich aussehen. Vielleicht hilft eine öffentliche Aktion gegen die Mieterhöhung oder ein Flashmob vor dem Pflegeheim. Vielleicht hilft es auch in Begleitung mit einer anderen Person zum Jobcenter zu gehen oder dass eine andere Person nochmal über einen Antrag drüber liest.

Wer darf kommen?

Es kann schwierig sein sich mit seinen eigenen Problemen bei anderen Menschen zu melden. Aber sehr häufig sind Probleme nicht nur persönlich, sondern hängen an unserer Gesellschaft und deshalb sollte niemand damit alleine bleiben müssen. Außerdem sind alle, die zum Treffen kommen, manchmal in der Situation, Hilfe zu benötigen und manchmal in der Situation Unterstützung zu brauchen. Deshalb sind auch alle willkommen und es braucht keine besonderen Erfahrungen oder besonderes Wissen. Wie das Treffen aussieht und worüber wir reden, entscheiden wir gemeinsam. Was im Anschluss gemacht werden soll, entscheidet aber immer nur die betroffene Person.

Wie läuft das ab?

(angelehnt an den Ablauf von Wilhelmsburg Solidarisch)

  1. Anfang 19 Uhr pünktlich
  2. Begrüßung
    Na klar begrüßen wir uns am Anfang erstmal und freuen uns, wenn neue Leute da sind
  3. Vorstellung MrS (Marburg Solidarisch)
    Für alle Neuen gibt es dann eine wirklich kurze Vorstellung, was die MrS ist
  4. Vorstellungsrunde
    Dann geht es reihum und alle sagen ihren Namen und weswegen sie heute da sind
  5. Aufgaben
    Dann müssen wir durch die Aufgaben durch, die nun mal gemacht werden müssen. Wer moderiert beim nächsten Treffen, wer bringt was zu essen mit, wer kommt zum Aufbau und wer spült ab?
  6. Stress und Konflikte
    So, das eigentlich Herzstück des Treffens. Zwar erst Punkt 5, aber mit deutlich der meisten eingeplanten Zeit. Hier findet unsere kollektive Beratung statt. Wer mit einem Stress oder Konflikt da ist, kann hier darüber sprechen. Das Ziel der gemeinsamen Beratung ist zu überlegen, was getan werden kann. Dafür finden sich am Ende eines jeden Themas möglichst ausreichend Personen, die sich verbindlich z.B. für unseren Solidarischen Sonntag verabreden, um gemeinsam etwas zu recherchieren, einen Brief zu formulieren oder zum Amtstermin zu gehen. Haben wir es mit einem richtigen Konflikt zu tun, müssen wir eine AG gründen, die sich extra trifft um weitere Schritte wie etwa eine Aktion vorzubereiten.
  7. Ende maximal um 20 Uhr

Wo und wann?

How to do Marburg Solidarisch?

Diese Anleitung haben wir uns bei Wilhelmsburg Solidarisch abgeschaut, vielen Dank an dieser Stelle!

Der Anlaufpunkt

Vor Beginn des Anlaufpunkts wird festgelegt, wer die Einführung (1.) übernimmt, wer die Begrüßungsperson (2.) ist, wer Moderation (3.) macht, und wer das Protokoll (4.) schreibt.

1. Einführung

Zu Beginn des Treffens kurz erzählen, was mir machen:

  1. Wir alle machen früher oder später die Erfahrung das wir von, dass Chef_innen, Vermieter_innen oder Sachbearbeiter_innen uns ungerecht und respektlos behandeln. Deshalb treffen wir uns bei Marburg Solidarisch um und gegenseitig zu beraten und unterstützen uns gegenseitig.
  2. Wir machen das in einer Runde. So entstehen mehr Ideen und wir können auf mehr Wissen zurückgreifen. Selbstverständlich wird nichts ohne dein Einverständnis unternommen.
  3. Wir machen aber noch viel mehr: Direkte Aktionen, Selbstbildung (Vorträge und Workshops), Kneipe, AG Arbeit plus alles was ihr mit Unterstützung von anderen machen wollt (Stichwort: Selbstorganisierung). 4. Bitte bedenkt: Marburg Solidarisch sind wir gemeinsam. Die kollektive Beratung, die hier stattfindet, kann nur funktionieren, wenn viele Leute mitdenken und andere unterstützen und zu Seite stehen. Auch mit noch wenig Erfahrungen sind Begleitungen wichtig. Tragt das Wissen auch an andere weiter. 5. Marburg Solidarisch ist keine Dienstleistung, am liebsten wollen wir die Konflikte so führen, dass sie zu einer gesellschaftlichen Veränderung beitragen.

Aufgabenverteilung:
• Moderation
• Begrüßungsperson
• Protokoll (Anmerkung zum Protokoll: Das Treffen wird nicht detailliert protokolliert. Wir erfassen nur, wie viele Leute da waren, welche Typen von Konflikten es gab, offene Fragen die sich aus dem Treffen ergeben haben und Rückmeldungen aus der Reflexionsrunde. Wenn jemand möchte, dass seine Geschichte nicht protokolliert wird, dann kann er/sie das jederzeit sagen.)

2. Begrüßungsperson

Wenn jemand den Laden betritt, geht die Begrüßungsperson auf sie zu und sagt …

• Willst Du zu Marburg Solidarisch?

• Warst du schon mal bei uns? Soll ich Dir kurz erzählen, was mir machen? 1. Wir beraten und unterstützen uns gegenseitig. 2. Es wird nichts ohne dein Einverständnis unternommen. 3. Wir machen das in einer Runde. So entstehen mehr Ideen und wir können auf mehr Wissen zurückgreifen.

• Was ist dein Anliegen, dein Konflikt, deine Frage?

• Ist es für dich okay, in großer Runde über dein Anliegen zu sprechen? Natürlich bleibt alles vertraulich und niemand redet mit Polizei, Behörden, Presse, usw. Wenn nicht → ins Büro gehen.

• Die Begrüßungsperson sollte auch alle Hinzukommenden darauf hinweisen, dass Marburg Solidarisch „wir gemeinsam“ sind. Die kollektive Beratung kann nur funktionieren, wenn viele Leute mitdenken und andere unterstützen und zur Seite stehen. Das funktioniert nicht, wenn alle, nachdem ihr Anliegen erledigt ist, wieder gehen.

… und schreibt der Moderation einen kleinen Zettel. Auf dem Zettel notierst du das Anliegen der Person in zwei bis drei Stichworten. Die Moderation begrüßt dann die Person und erwähnt, wie viele Personen noch dran sind.

Wenn Menschen spät dazukommen und viel los ist, sagen, dass …

• sie heute wahrscheinlich nicht mehr über ihre Anliegen/Konflikte so lange und ausführlich reden können, wie wir es uns wünschen würden,

• sie sich trotzdem dazu setzen können und auf jeden Fall noch 2 Minuten berichten können. Sehr dringende Dinge besprechen wir kurz und finden dafür ein Vorgehen,

• sie gerne das nächste Mal wiederkommen können und dann auf jeden Fall die Gelegenheit bekommen, ihr Anliegen ausführlich zu besprechen.

3. Moderation

• Vorstellungsrunde: Stellt euch doch bitte kurz vor und erzählt welchen Konflikt ihr heute besprechen wollt. Veranstaltungshinweise, Informationen über Einladungen oder sonstige Post die MRS geschickt wurde, sowie Ansagen über zukünftige Termine können nach der Reflexionsrunde gemacht werden.

In der Runde: Erzähl doch mal, was Dich zu uns führt.

• Person mit Übersetzungsbedarf: darauf achten, dass sie ihr Anliegen vollständig besprechen kann, alles übersetzt bekommt und alles sagt, was wichtig ist. Mehr Infos unter → 3. Übersetzung

• Auf die Stimmung/emotionale Lage achten. Gegebenenfalls bei der Person, um deren Sache es gerade geht, mal nachhaken, ob wir eine Pause oder sonst etwas brauchen.

• Es ist Aufgabe der Moderation, das besprochene Anliegen, wenn nötig zusammenzufassen und für den Moment zu einem Ende zu bringen (die Person, um deren Anliegen es geht, bitten zu sagen, ob sie jetzt eine Entscheidung treffen will oder ob das derzeit für sie nicht möglich ist) sowie Wege für das weitere Verfahren aufzuzeigen (Entscheidung einfordern / klären, wann und wie weiter / Absprachen für weiteres Verfahren treffen)

• Wenn nötig mit Redeliste moderieren: ◦ Die Person, deren Anliegen aktuell besprochen wird, soll jederzeit etwas dazu sagen können. ◦ Rück- und Verständigungsfragen gehen vor. ◦ Die Moderation soll darauf achten, ob die Redeliste das Gespräch verbessert oder verschlechtert (ggf. Redeliste wieder abschaffen).

Hast Du selbst eine Idee, was Du tun willst oder wie wir dich unterstützen können?

• Zuhören und reden lassen. Gegebenenfalls Verständnisfragen, aber nicht gleich am Anfang des Gesprächs zu viele Detailfragen. • Die Möglichkeiten von MRS darstellen. • Mögliche Risiken transparent machen.

Gemeinsamen Plan entwickeln oder …

• Wie sollen wir gemeinsam verfahren? (Vorgehen / Absprachen / Wiedersehen / ggf. Begleitung …) • Realistisch bleiben und keine Wunder versprechen.

• No-Gos klären. • Aktive Beteiligung ist Pflicht. • Nochmals betonen: Wir machen nix ohne dein Einverständnis! Wir geben nix weiter. … Kontakt an andere Stellen vermitteln

• Bitte um Rückmeldung, was weiterhin passiert. • Anbieten, dass man dableiben, aber auch gehen kann.

Das Gespräch abschließen

• E-Mail-Adresse notieren und fragen, ob er/sie auf unsere Infomailingliste möchte. • Eventuell Telefonnummer und andere relevante Daten notieren.

• Wie bist du auf uns aufmerksam geworden?

• Verweis auf unsere nächste Öffnungszeit.

• Wissen teilen. Nochmals sagen, dass wir es schön finden, wenn eigenes gewonnenes Wissen z. B. im Rahmen von MRS (aber auch jenseits davon) weitergegeben wird; kollektive Idee betonen.

Wenn jemand später dazu kommt Wenn jemand später dazu kommt, schreibt die Begrüßungsperson einen kleinen Zettel und gibt ihn der Moderation. Auf dem Zettel ist das Anliegen der Person in zwei bis drei Stichworten notiert. Die Moderation begrüßt dann die Person und erwähnt, wie viele Personen noch dran sind.

Achtung WICHTIG!: Um 20.45 Uhr

Die Moderation macht eine Viertelstunde vor Ende des Treffens eine Ansage, dass

• wir noch eine viertel Stunde bis zum regulären Ende des Treffens haben, • wir uns immer bemühen den Anlaufpunkt nicht zu sehr zu überziehen, • wir jetzt mit einer schnellen Runde beginnen, in der jede Person, die noch nicht dran war, in 2 Minuten erzählen kann, warum sie hier ist. Gegebenenfalls kann so noch kleine Tipps gegeben und dringende Dinge kurz besprochen werden, • beim nächsten Mal bekommen die Leute, die nicht mehr ausführlich sprechen konnten auf jeden Fall die Gelegenheit ihr Anliegen länger zu besprechen.

Abschlussrunde

Wir beenden das Treffen mit einer kurzen Reflexionsrunde. Wie fandet ihr den Anlaufpunkt? Besonders sind wir an Kritik und Verbesserungsvorschlägen interessiert! Nach der Reflexionsrunde gibt es noch die Möglichkeit Ansagen zu machen. Das können Veranstaltungshinweise, Einladungen oder sonstige Infos sein.

4. Protokoll

Wir notieren keine Namen oder Adressen. Der/die Protokollant_in weist darauf hin, dass jeder sagen kann, wenn etwas das ihn/sie betrifft, nicht protokolliert werden soll. Es ist ein Ergebnisprotokoll und kein Verkaufsprotokoll. Daher notieren wir:

1. Anzahl Leute & Typ von Konflikt(en) 2. Offene Fragen 3.Termine/Ansagen