Vergessen ist die Erlaubnis zur Wiederholung

Am 27. Januar 2014 jährt sich der Jahrestag der Auschwitzbefreiung zum 69. Mal.
Zum 69. Mal werden von unterschiedlichen Vereinigungen Gedenkveranstaltungen durchgeführt.  Das Gedenken soll die Erinnerung an die Opfer wach halten und die Bezwinger des Nationalsozialismus ehren. Vor allem aber soll durch das Wachhalten der Erinnerung an die einmaligen Verbrechen der Deutschen eine Wiederholung verhindert werden, denn das Vergessen ist die Erlaubnis zur Wiederholung.

An die deutschen Verbrechen zu erinnern, aus der Geschichte gelernt zu haben, dazu beizutragen, dass nichts Ähnliches mehr sich wiederhole, ja gar ein Beispiel zu sein für andere Länder, wie man mit “schwieriger Geschichte” umzugehen habe, das beansprucht die staatliche und offizielle Erinnerungspolitik Deutschlands mit ihren Denkmalseinweihungen, Ausstellungen und Gedenkfeiern auch für sich.

Doch was ist dieses Gedenken wert in einem Land das 69 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz weiterhin versucht die Entschädigung von Opfern auf internationaler Ebene zu verhindern, während es über seine eigenen Grenzen hinaus Renten für die mörderischen Dienste der Täter zahlt? Was ist Gedenken wert in einem Land, welches heute mehr denn je an der Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Kommunismus arbeitet und Gedenkstätten umfunktioniert, um sich von seiner Schuld rein zu waschen und sich als Opfer zu stilisieren?

Es ist nicht viel wert in einer Stadt wie Potsdam, wenn die Stadtoberen sich wiederholt über die Proteste von NS – Opferverbänden hinweg setzen und am Holocaustgedenktag eine Veranstaltung an einem Ort abhält an dem auch NS- Kriegsverbrechern gedacht wird – der Gedenkstätte Lindenstrasse. Dass diese Gleichsetzung durchaus gewollt ist zeigt sowohl die Gedenkpolitik in der Lindenstraße als auch die gesamte deutsche Gedenkkultur bei genauerer Betrachtung recht eindrucksvoll. Da wird nur noch von den zwei Diktaturen gesprochen unter denen die Deutschen gelitten hätten und ausser Acht gelassen, dass die Deutschen zum Großteil wenn nicht Täter_innen dann zumindestens Nutzniesser_innen des Nationalsozialismus waren. Wer also nur noch vom universellen Leid spricht, das ja schließlich alle Menschen erlitten hätten, entpolitisiert das Gedenken vollkommen bzw. versucht es zu missbrauchen um Deutschland von der Schuld rein zu waschen. Wer in dieser Form gedenkt, muss auch mit Protest rechnen.

Um 12 Uhr Gedenken der Stadt Potsdam in der Lindenstraße 54 (achtet auf Ankündigungen)

Wir rufen um 18 Uhr zu einem würdigen und antifaschistischen Gedenken am Denkmal der Opfer des Faschismus am Platz der Einheit auf. Anschließend gehen wir gemeinsam zum Mahnmal für die in den letzten Kriegstagen im Raum Potsdam gefallenen Sowjetsoldat_innen am Bassinplatz.

REMEMBERING MEANS FIGHTING