Dürfen TOR Exitnode Betreiber keine eigene Meinung haben?

Eine Reihe von österreichischen Medien hat Bericht erstattet, auch mit Bezugnahme auf unser “anonymes” Blog.
So berichtet etwa die Futurezone:

Begründet wurde die Beitragstäterschaft, laut einem Bekannten W.s unter anderem damit, dass er im Rahmen eines Interviews bei einer Konferenz auf die Frage, ob ihm bewusst sei, dass Tor auch zur Verbreitung von Kinderpornografie genutzt werden könne, geantwortet habe: “I don’t give a fuck.” (sinngemäß: “Es ist mir egal.”)

Der Standard beruft sich auf die Futurezone.

Die Kleine Zeitung hingegen schreibt

Denn über seine Rechneranlage hatte ein Unbekannter zumindest ein Kinderpornofoto verschickt.

[…]

Bei der Datenauswertung fand man “zumindest eine pornographische Darstellung einer minderjährigen Person“, sagt ein Staatsanwalt. Und es existiert ein Gesprächsprotokoll: Der Angeklagte habe seinem Gegenüber erklärt, es würde ihn nicht kümmern, wenn jemand das Netz für Kinderpornografie missbrauchen würde.

Aus dem Interview mit dem Verurteilten erfährt man folgendes

 The server running the exit node in question, was in Poland, and was already disabled since I moved to a different ISP. Only my flat was raided, which resulted in confiscation of around 20 computers

[…]

My colocated servers have not been taken, most likely as they are outside of EU jurisdiction (Liechtenstein, US, Hong Kong). It is of course possible that they are being wiretapped by now.

[…]

Additionally, I was accused of sharing (and possibly producing) child pornography on a clearnet forum via an image hosting site that was probably tapped.

Jetzt nochmal zum ganz langsam mitschreiben. Der Bericht der Kleinen Zeitung unterscheidet sich in einem ganz wesentlichen Punkt von der Darstellung in der futurezone, und zwar folgendem:

Bei der Datenauswertung fand man “zumindest eine pornographische Darstellung einer minderjährigen Person“, sagt ein Staatsanwalt.

Der Server um den es ging, stand also in Polen. Er wurde Monate vor der Hausdurchsuchung im Rahmen einer Ermittlung gegen den organisierten Kindesmissbrauch observiert und Monate vor der Hausdurchsuchung gesiedelt. Angeblich wurde ein einziges Bild gefunden.

Das wirft einige sehr interessante Fragen auf:

Warum schreiben manche JournalistInnen immer noch von “Kinderporno” wenn es um den Missbrauch von Kindern und dessen Darstellung geht? Hat sich das noch nicht bis in die Redaktionen durchgesprochen?

Wie kann es sein, dass ein einziges “belastendes Bild” im Rahmen der “Datenauswertung” gefunden wird, jedoch weitere Hinweise auf Täter dieses organisierten Kindesmissbrauchsrings nicht zu den Ermittlungserfolgen gehören? Weil vielleicht der Großteil dieses Materials im “offenen Web” gehandelt wird?

Welche ausländischen Behörden haben hier Hinweise im Rahmen welcher internationalen Operation gegeben? 

Hat die private Meinung des Verurteilten, die angeblich aus einem Chatlog stammt, etwa dazu geführt, dass er als Beitragstäter verurteilt wurde?

 

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